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Das Senuthios Archiv, Ägypten und die Araber:
Neue Texte

 


Projektleiter: Univ. Doz. Mag. Dr. Federico Morelli

Projektlaufzeit: 1. April 2011 – 31. März 2014

FWF-Projekt P23408

Das Senuthios-Archiv stellt das einzige umfangreiche Konvolut an Originaldokumenten aus den Jahren unmittelbar nach der arabischen Eroberung Ägyptens (639-641 n. Chr.) dar. Diese Texte, die erst vor wenigen Jahren erkannt wurden, befinden sich hauptsächlich in der Wiener Papyrussammlung. Kleinere Gruppen sind in anderen Sammlungen, wie der British Library, erhalten.
Das Archiv besteht hauptsächlich aus der Korrespondenz einiger hoher Beamten des Gaues Hermopolites (in Mittelägypten, etwa 200-300 km südlich vom heutigen Kairo) in den vierziger Jahren des 7. Jahrhunderts, und zwar um das Jahr 643/644. Befehle, Anweisungen, Bitten - aber auch Beschwerden und Eingaben von Privatpersonen, meistens Großgrundbesitzern oder Geistlichen - sind an Senuthios (einem Vertreter des Pagarchen für den nördlichen Teil des Gaues Hermopolites) oder an andere Beamte, die in seinem Büro tätig waren oder mit ihm zusammenarbeiteten, adressiert.


Die Themen der Briefe hängen zusammen mit der Durchführung von Maßnahmen und Neuigkeiten, die infolge des politischen Wechsels gesetzt wurden: Neue Steuern, Requisitionen, Unruhen, Schwierigkeiten zwischen Bevölkerungsgruppen usw.


Eine erste Textgruppe, die von Requisitionen für den Bau der neuen ägyptischen Hauptstadt al-Fustat handelt, wurde als Ergebnis eines FWF-finanzierten Vorprojektes im ersten Band mit Senouthios-Texten, F. Morelli, Corpus Papyrorum Raineri XXX. L'archivio di Senouthios anystes e testi connessi (I). Lettere e documenti per la costruzione di una capitale, Berlin-New York 2010, veröffentlicht.


Im Unterschied zur späteren Historiographie bieten die Texte des Archivs ein nicht ideologisiertes und zuverlässigeres Bild über diesen historischen Wendepunkt. Sie erlauben im Detail zu beobachten, auf welche Art sich die spätantike Verwaltung an die neuen Herrscher anpasst und mit ihnen kooperiert, und wie ägyptische Christen und arabische Muslime miteinander umgehen. Die Araber erscheinen als eine zurückhaltende, disziplinierte Gruppe, die den direkten Kontakt mit der Bevölkerung meidet und eher mit den höheren Ebenen der ehemaligen byzantinischen Verwaltung interagiert. Eher als Gewalt seitens der Besatzungsarmee oder Konflikten zwischen Arabern und Ägyptern, fallen die Willkür und Überlegenheit der niedrigen lokalen Beamtenschaft auf. Zahlreiche Beschwerden, Bitten und Befehle zeugen von den Schwierigkeiten - allerdings fast immer zwischen Einheimischen -, die aus den noch nicht gut geregelten und der Verwaltung nicht vertrauten Neuerungen entstanden waren.
Das Projekt "Das Senuthios Archiv, Ägypten und die Araber: Neue Texte" beabsichtigt, als Fortsetzung des vorigen Senouthios-Projektes, die Veröffentlichung (Transkription, Übersetzung, Einleitung und Kommentar) und historische Auswertung dieser wichtigen Dokumentation weiterzuführen.

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