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Foundations of Risk Research on the Roman Empire



Lise Meitner-Projekt M 1366-G18

Projektleitung:       PD Dr. Ulrike Ehmig M.A.
Mitantragsteller:    Univ.-Prof. Dr. Bernhard Palme
Projektlaufzeit:      15.03.2012 – 14.03.2014


Risiko bezeichnet die Möglichkeit eines Schadens bestimmter Größe. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein solcher eintritt, kann mathematisch berechnet werden. Die Entwicklung der Stochastik im 17. Jahrhundert stellt nach heutiger Sicht die Voraussetzung und den Beginn dafür dar, daß drohende Gefahren rational erfaßt wurden und man ihnen präventiv begegnen konnte. Forschungsüberblicke zur Geschichte des Umgangs mit Risiken vermitteln entsprechend den Eindruck, als ob sich die Menschen in der Zeit davor, in Mittelalter und Antike, ausschließlich göttlichem Willen unterworfen und mit Gleichmut in ein für sie unabänderliches Schicksal ergeben hätten.

Gegen ein solches Risikoverständnis sprechen jedoch die Ergebnisse zahlreicher Einzeluntersuchungen in allen altertumskundlichen Disziplinen. Sie sind bisher nie systematisch zusammengestellt und vor dem Hintergrund einer gemeinsamen, übergeordneten Perspektive erörtert worden. Eine solche bietet die moderne sozialwissenschaftliche Risikoforschung: Wendet man ihre Fragestellungen auf die antiken Quellen an, öffnet sich ein bisher völlig unbearbeitetes, aber äußerst perspektivenreiches Arbeitsfeld für alle Zweige altertumswissenschaftlicher Forschung. In ersten, dem Projekt zugrundeliegenden Studien konnten ausgehend von archäologischen und epigraphischen Quellen bereits tiefgehende Aufschlüsse über die Wahrnehmung faktisch eingetretener Risiken sowie über subjektive Befürchtungen und Ängste gewonnen werden.

Das Vorhaben zielt als erster umfassender Beitrag zu einem noch kaum erforschten Aspekt antiker Mentalität in mehreren Untersuchungsschritten auf die Einschätzung und den Umgang mit Risiken in der römischen Kaiserzeit: Zunächst werden die für Risiko und Gefahren verwendeten Begriffe in den unterschiedlichen literarischen Quellen identifiziert. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob sie im Ansatz bereits Unterscheidungen zwischen unmittelbaren und nicht mehr abzuwendenden, sowie möglichen, also durch präventive Maßnahmen minimierbaren Bedrohungen erkennen lassen. Daran anschließend wird den Sichtweisen breiter Bevölkerungsgruppen mit einer entsprechenden Untersuchung direkter Zeugnisse, Papyri und Inschriften, nachgegangen. In einem nächsten Schritt steht die Frage im Mittelpunkt, ob Entwicklungen in der Wahrnehmung und im Management von bedrohlichen Situationen zu beobachten sind. Die abschließenden Überlegungen erfolgen vor dem Hintergrund der modernen Erkenntnis, dass die faktisch risikoreichsten Bedrohungen weder am häufigsten und eindringlichsten in den Medien thematisiert, noch von den einzelnen Personen(gruppen) als größte Bedrohung empfundenen werden. Es wird entsprechend untersucht, in welcher Weise die unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Quellen die Häufigkeit und Schwere von Risiken in der römischen Antike repräsentierten. Die Studie zielt darauf, ein Bild des Spannungsverhältnisses von Rationalismus und Fatalismus in den Weltanschauungen kaiserzeitlicher Menschen zu zeichnen und dabei chronologische, regionale und personenspezifische Unterschiede aufzuzeigen.

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