Ägyptens südliche Grenze im 6.-11. Jahrhundert nach Chr.

(Egypt’s southern border in the 6th-11th century AD)

Projektleiterin:

Dr. Pamela Rose

Nationaler Forschungspartner:

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Palme

Mitarbeiterin:

Mag. Ines Bogensperger

Laufzeit:

01.11.2012 – 31.10.2015

Projektnummer:

P 24589

Der Erste Katarakt unterbricht den Flusslauf des Nils und bildet mit seinen Felsen und Inseln eine geographisch markante Stelle: mithin eine natürliche Grenze. Syene (heute Assuan) und Elephantine sind die urbanen Zentren dieser Region. Darüber hinaus nimmt die Insel Philae mit ihren Heiligtümern bis in die Spätantike eine herausragende religiöse Stellung ein. Darin liegt auch die entscheidende Rolle dieser Stätte, die als Heiligtum stets ein Ort der Begegnung zwischen den Einwohnern Ägyptens und deren südlichen Nachbarn war. Politisch gewinnt dieses Gebiet unter Kaiser Diokletian zusätzlich an Bedeutung, als die römische Grenze an den Ersten Katarakt zurückgenommen wird (298 n. Chr.). An dieser Grenzregion manifestieren sich die stattfindenden historischen Ereignisse nicht nur des Römischen Reiches, sondern auch der benachbarten Staaten.

Südlich von Philae liegt am Ostufer des Nils die Festung Hisn al-Bab. Sie wird unter der Leitung von Dr. Pamela Rose vom Österreichischen Archäologischen Institut untersucht. Der Ort wird mit dem historischen Al-Qasr gleichgesetzt, an dem eine arabische Garnison nachweislich bis ins 9. Jahrhundert stationiert war. Die Reste zeigen zwei Festungen, deren genaue chronologische Abfolge mit neuersten technologischen Mitteln geklärt werden soll.

Die Ergebnisse der archäologischen Arbeiten werden den erhaltenen schriftlichen Quellen gegenübergestellt. Besonders die Texte, die sich für die Gegend des Ersten Katarakts als relevant erweisen, werden näher untersucht. Zeitlich fällt das Augenmerk auf die Zeitspanne zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert. Damit umfasst das Projekt nicht nur die Epoche der Spätantike, sondern auch die früharabische Zeit Ägyptens. Als Grenzgebiet, aber auch als Ort der Begegnung verschiedener Kulturen über mehrere Jahrhunderte hinweg geht das Projekt einerseits den Fragen von Militär und Verwaltung nach; andererseits beleuchten die Texte auch diverse Aspekte der Handelstätigkeit bzw. Distribution, Religionsgeschichte oder Reisetätigkeit der damaligen Zeit.