Appians Keltiké: Ein historischer Kommentar

Projektleiter:

Mag. Dr. Andreas Hofeneder

Projektbeginn:

15. September 2010

FWF-Projekt:

P 22817

Ziel des beantragten Projektes ist die Erstellung eines historischen Kommentars zur Keltiké Appians. In diesem nur fragmentarisch erhaltenen Buch behandelt der alexandrinische Historiker die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Römern und Kelten, beginnend mit dem Angriff der Kelten unter Brennos auf Rom bis hin zur Eroberung Galliens durch Caesar.

Ungeachtet des trümmerhaften Zustandes stellt die Keltiké eine wichtige und wertvolle Quelle für die Geschichte der Kelten sowie der römischen Republik dar, da sie eine Reihe von Informationen bietet, die sonst nirgends belegt sind oder die sich deutlich von jenen Traditionen unterscheiden, die bei anderen Autoren (wie Polybios, Caesar, Livius etc.) überliefert sind. Appian hat nämlich allem Anschein nach für seine Darstellung weitgehend auf heute verlorene Historiker zurückgegriffen, wodurch uns Splitter der vorlivianischen Annalistik und einer von Caesars commentarii de bello Gallico abweichenden Quelle (vermutlich Asinius Pollio) bewahrt wurden.

Umso verwunderlicher ist es, daß bis dato noch kein Kommentar zur Keltiké erschienen ist. Dies erklärt auch, warum Appians Keltenbuch ein von nur wenigen Spezialisten beachteter und selbst in der althistorischen Forschung zu Unrecht stark vernachlässigter Text ist. Dieses Defizit soll das vorliegende Projekt beheben.

Das geplante Buch soll in zwei Haupteile zerfallen, und zwar in eine ausführliche Einleitung und den eigentlichen Kommentar.  Im einleitenden Teil wird Appians Biographie und Gesamtwerk vorgestellt sowie die Stellung der Keltiké innerhalb desselben besprochen. Ferner werden die speziellen Probleme der sekundären Überlieferung (excerpta Constantiniana, Suda) und die Quellenfrage diskutiert, außerdem sollen Überlegungen über den Inhalt der verlorenen Teile der Keltiké angestellt werden. Ein weiterer Abschnitt ist dem von Appian vermittelten Keltenbild gewidmet, wobei andere Aussagen über die Kelten in den übrigen Teilen der Rhomaïká in die Betrachtung einbezogen werden. Im eigentlichen Kommentar werden zunächst von jedem Fragment der griechische Text und eine selbstverfaßte deutsche Übersetzung geboten. Im Anschluß an jedes Fragment erfolgt eine möglichst umfassende Auswertung unter Berücksichtigung der gesamten antiken Parallelevidenz sowie der umfangreichen modernen Sekundärliteratur. Der historische Zusammenhang des jeweiligen Fragments wird eingehend behandelt, ferner sollen die Übereinstimmungen wie auch die Abweichungen zur übrigen literarischen Überlieferung herausgearbeitet werden, um Appians Position innerhalb der historiographischen Traditionen besser bestimmen zu können.

Der projektierte Kommentar erfüllt zunächst ein Desiderat der Appianforschung und schließt eine Lücke in der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Autors. Profitieren kann auch die althistorische Forschung zur römischen Republik von dieser Arbeit, mit der eine wenig beachtete Quelle erstmals gründlich erschlossen wird. Von zentraler Bedeutung ist der Kommentar schließlich für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geschichte und Kultur der antiken Kelten. Gerade von Seiten der Keltologie hat man Appians Keltiké kaum zur Kenntnis genommen, obwohl diese Schrift eine wertvolle Ergänzung zu weit bekannteren Texten darstellt.