Papyrusbriefe aus dem spätantiken Ägypten

Projektleiter:

Amphilochios Papathomas

Projektnummer:

M 1677

Das beantragte Forschungsprojekt soll einen Beitrag zur Erschließung von bislang unveröffentlichten Beständen an griechischen Papyri leisten. Sein Ziel ist es, etwa vierzig spätantike Papyrusbriefe aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in einem Editionsband mit Transkription des Originaltextes, Übersetzung und historisch-philologischem Kommentar in deutscher Sprache herauszugeben. Bei den ausgewählten Briefen handelt es sich um sprachlich wie historisch äußerst interessante Quellen, die unser Wissen sowohl über die Epistolographie als auch über zahlreiche Aspekte des Lebens in der Spätantike bereichern. Privat- und Geschäftsbriefe waren in der Spätantike ein notwendiges, weil zumeist das einzige Kommunikationsmittel, um große Distanzen zu überbrücken. Daher dienten sie sowohl der Wahrung von privatem und sozialem Austausch als auch der geschäftlichen Korrespondenz. Sie thematisieren die Probleme des Alltags und zeigen die Nöte und Wünsche der da maligen Menschen sowie die Usancen des Wirtschaftslebens. Sie geben Aufschluß über das Denken, Fühlen und soziale Agieren ihrer Verfasser und verdeutlichen, welche Kommunikationsstrategien die Menschen zum Zweck der erfolgreichen rhetorischen Gestaltung ihrer Texte entwickelten. Darüber hinaus beleuchten sie die Unterschiede zwischen literarischen Episteln und Briefen des Alltags.

Schließlich informieren sie über die damalige Verwaltung, Wirtschaft, Rechtslage und Religion. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Briefe ist es, diese Vielfalt im Editionsband abzubilden.

Die Publikation wird die Form einer Monographie von ca. 280 großformatigen Seiten haben und folgt dem bewährten Schema der papyrologischen Editionen im Corpus Papyrorum Raineri (CPR). Die Edition jedes Textes umfaßt:

a) Formale Beschreibung des Papyrus mit Angaben zur Chronologie, Herkunft des Textes usw.;

b) Transkription und Edition des griechischen Textes mit apparatus criticus;

c) deutsche Übersetzung;

d) Auswertung des Textes sowie Rekonstruktion und Einordnung seines Inhaltes in den sozialen und historischen Kontext, und

e) einen ausführlichen Zeilenkommentar.

Da alle Texte in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden, ist eine umfassende und alle Aspekte berücksichtigende Erforschung der Stücke in Wien wünschenswert. Die Papyri sind oft fragmentarisch erhalten, mit verblaßter und schwer leserlicher Schrift, weshalb eine Bearbeitung und Entzifferung nur am Original zielführend ist.

Das Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien ist eine renommierte Forschungsinstitution mit hervorragender Fachbibliothek, die durch produktives Forschungsklima und regen fachlichen Austausch ein optimales Arbeitsumfeld bietet. Geleistete Vorarbeiten werden wesentlich dazu beitragen, das anspruchsvolle Projekt innerhalb von zwei Jahren erfolgreich abzuschließen.