Logo der Universität Wien
Sie sind hier:>Universität Wien >HKF >Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde Papyrologie und Epigraphik

Das Amt des Agoranomos in der griechischen Welt während der römischen Kaiserzeit

DOC [Doktorand(inn)enprogramm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften]

 Projektnummer: 23828


Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Thomas Corsten
Mitarbeiterin: Mag. Eleni Theodorou
Laufzeit: 01.01.2014-31.12.2015


Das Projekt zielt darauf, einen Beitrag zur Erforschung des Amtes des Marktaufsehers
(Agoranomos) der griechischen Städte vorwiegend während der römischen Kaiserzeit
(27 v.Chr.-3. Jh. n.Chr.) zu leisten.
Als Aufseher des städtischen Marktes, der als Mittelpunkt des Gemeinwesens und
Sammelpunkt der Bürger den wichtigsten Raum des öffentlichen Lebens einer Stadt
darstellte, war der Agoranomos ein wichtiger Beamter in den griechischen Städten,
der seit dem 5. Jh. v.Chr. sowohl inschriftlich als auch literarisch bezeugt ist.
Ursprünglich war diese Behörde damit betraut, die ordnungsgemäße Abwicklung des Handelsverkehrs auf dem städtischen Markt zu beaufsichtigen. Während des
Hellenismus wurde neben der Aufsicht über die Marktordnung in zunehmendem Um-
fang auch die Versorgung des Marktes mit Getreide zu einem möglichst günstigen Preis
als eine ihrer Zuständigkeiten betrachtet; sie hat sich in der Kaiserzeit zu ihrer Haupt-
aufgabe entwickelt und ist auch ihre bekannteste Zuständigkeit. Dennoch machen die
Zeugnisse, die die Agoranomie betreffen, deutlich, dass die Amtsträger sich nicht nur
auf die Sorge für die Marktordnung und die Versorgung des Marktes mit Getreide
beschränken konnten. Sie übernahmen nämlich auch andere Aufgaben, die ebenfalls
sehr wichtig für die Städte und ihre Bürger waren.
Die Agoranomen der griechischen Städten sind in der Kaiserzeit fast ausschließlich in
Inschriften belegt. Die Gesamtzahl der zu musternden Bezeugungen beträgt ca. 500
kaiserzeitliche Inschriften, die aus fast allen Gebieten der griechischen Welt von Süd-
italien und Sizilien bis Syrien und Palästina stammen. Am stärksten sind trotzdem
Kleinasien und das griechische Festland vertreten.
Im Rahmen dieser Untersuchung und anhand der in den Inschriften angegebenen
Auskünfte sind folgende Gesichtspunkte, die gleichzeitig die zu beantwortenden
Hauptfragen bilden, zu berücksichtigen, so dass das Agoranomenamt vollständig und
systematisch untersucht wird:

a) die institutionelle Einrichtung des Amtes (Bestellung, Amtsdauer, Zahl der
Agoranomen in den jeweiligen Städten u.a.),

b) die einzelnen Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche der Agoranomen innerhalb und
außerhalb des städtischen Marktes,

c) die Stellung der Agoranomie im Vergleich zu den anderen Ämtern und

d) der sozialer Status der Agoranomen.

Trotz der Einschränkung des Projekts auf die römische Kaiserzeit ist die Agoranomie
während des Hellenismus ebenfalls zu berücksichtigen, denn die Entwicklung des
Amtes in der römischen Kaiserzeit hat schon im hellenistischen Zeitalter begonnen.
Daher werden mindestens die wichtigsten bzw. die aussagekräftigsten inschriftlichen
Belege aus dem Hellenismus in Betracht gezogen, um Vergleiche anzustellen,
wahrscheinliche Ähnlichkeiten oder Unterschiede zwischen den Agoranomen der beiden
Epochen aufzuzeigen und schließlich die Entwicklung bzw. den Wandel dieser Funktion
im Ablauf der verschiedenen Perioden der griechischen Geschichte zu verfolgen.
Auf diese Weise betrachtet man das Agoranomenamt in einem breiten chronologischen
und historischen Kontext und kann eine vollständige Vorstellung über das Amt gewinnen.

Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik
Universität Wien

Universitätsring 1
A-1010 Wien
T: +43-1-4277-405 01
F: +43-1-4277-9 405
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0