Bankettt und Grab: Leiterin Prof. Amann

Vergleichende Untersuchungen zu einem zentralen Bildthema der Sepulkralkunst und den damit verbundenen Wertvorstellungen im etrusko-italischen, mutterlandgriechisch-kleinasiatischen sowie levantinisch-vorderasiatischen Raum vom 8.-3. Jh.v.Chr.

Projektbeginn: 1. Februar 2009

Projektleitung: Petra Amann – Peter Ruggendorfer (nationaler Forschungspartner an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Kulturgeschichte)

Mitarbeiter/innen:

Tina Mitterlechner (Universität Wien, Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik)

Agnes Nordmeyer (Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Kulturgeschichte)

Ellen Rehm (Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)

Christian Eder (Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde)

Kurt Schaller (Universität Salzburg)

In der antiken Welt spielten Abschiedsrituale nach dem Tod eines Menschen, Riten am Grab, Totenkult und Erinnerungspflege eine wichtige Rolle, wobei jede Kulturgruppe ihre eigenen spezifischen Vorgangsweisen und Traditionen entwickelte, die nicht selten einen wichtigen Faktor in der kulturellen Definition der jeweiligen Gruppe darstellen. Die Untersuchung der im Sepulkralbereich vertretenen bzw. im funerären Zusammenhang entwickelten Bildthemata ist daher ein zentrales Aufgabengebiet der Altertumswissenschaften. Nach Auskunft des ikonographischen Quellenmaterials scheint besonders dem Motiv des Bankettierens, d.h. des feierlichen Speisens und/oder Trinkens einer oder mehrerer Personen, in vielen Gebieten der antiken Welt eine vorrangige Bedeutung im sepulkralen Kontext zugekommen zu sein. Es ist anzunehmen, daß die Häufigkeit des Motivs, seine verschiedenen typologischen Ausformungen und die Kombination mit anderen Bildmotiven einen unmittelbaren Bezug zur jeweiligen soziopolitischen Struktur der betreffenden Gemeinschaft bzw. Kulturgruppe haben.

Das Projekt hat die umfassende und nach Landschaften gegliederte Untersuchung aller im funerären Zusammenhang stehender Bankett- und Gelageszenen im italischen, griechischen und klein- bzw. vorderasiatischen Raum im 1. Jt. v. Chr. (Schwerpunkt 8./7.-3. Jh. v. Chr.) zum Inhalt. Ausgangspunkt für die Projektidee war die Existenz auffallender Ähnlichkeiten in der ikonographischen Ausschmückung von Grabmonumenten in weit voneinander entfernten Bereichen der antiken Welt, besonders zwischen dem kleinasiatischen Raum und Etrurien. Der geographische Bogen der Untersuchung ist daher weit gefaßt und spannt sich von der italischen Halbinsel im Westen (Bearbeitung P. Amann, T. Mitterlechner) über das griechische Mutterland und die Inselwelt bis nach Kleinasien (Bearbeitung P. Ruggendorfer, A. Nordmeyer). Um einen vollständigen Überblick zu gewinnen, ursprüngliche Konzeptionen des Bildthemas und mögliche Entwicklungslinien verfolgen zu können, muß aber auch der vorderasiatisch-levantinische Raum im späten 2. und 1. Jt. v. Chr. in die Untersuchungen miteingebunden werden (Bearbeiterin E. Rehm). Flankierend sind die entsprechenden Befunde in Ägypten (v. a. in der ‚Saitischen Renaissance' ab der 25. Dynastie, Bearbeiter Chr. Eder) und der karthagische Einflußbereich im zentralen und westlichen Mittelmeerraum zu berücksichtigen.

Eigentliches Ziel des Forschungsprojektes ist es, auf der Basis von – nach einheitlichen und klar definierten Kriterien durchgeführten - Regionalanalysen einen gesamtmittelmeerischen Vergleich vorzunehmen, der vor allem auch den soziopolitischen- und religionshistorischen Hintergrund miteinbezieht und in seiner Bedeutung erkennt. Die sich dabei ergebenden Fragen nach Kulturtransfer bzw. Parallelentwicklung sollen beantwortet werden.