Preise und Löhne im spätantiken und früharabischen Ägypten

Projektnummer:

P27821

Projektleiter:

Federico MORELLI

Projektlaufzeit:

01.05.2015-30.04.2018

Die antike Wirtschaftsgeschichte hat im 20 Jh. einen großen Impuls aus der Veröffentlichung neuer dokumentarischer und archäologischer Evidenz erfahren. Wesentlich für die Erforschung und für die Entwicklung von Modellen der antiken Wirtschaft ist die Kenntnis von Preisen und Löhnen. Sie sind grundlegend für die zentrale Frage der Kaufkraft und des Lebensstandards, aber auch für die Bestimmung der relativen Werte verschiedener Produkte, oder die Untersuchung des Zusammenspiels zwischen Rohstoff- und Arbeitskosten, Großhandels- und Detailpreise, Verkaufs- und Marktbedingungen in der Bestimmung der Preise von Fertigprodukten. In der Erforschung von Preisen und Löhnen nehmen die Papyri, mehr als andere antike Quellen, einen wichtigen Plaz ein. Sie liefern eine Fülle an direkten, unverfälschten und überprüfbaren Informationen, die erlauben, ein zusammenhängendes und funktionierendes Preis- und Lohnsystem zu rekonstruieren.

Aufgrund der Schwierigkeiten in der Verwendung von papyrologischem Material wurden aber ökonomische Informationen aus diesen Dokumenten von Historikern nicht immer angemessen berücksichtigt. Werke, die die zerstreuten, fragmentarischen und oft obskuren papyrologischen Daten sammeln, ordnen und besprechen, sind daher ein wesentliches Arbeitsintrument für Wirtschaftshistoriker. Während aktualisierte Sammlungen von Preisen und Löhnen für die ptolemäische und römische Periode verfügbar sind, fehlt überraschenderweise eine befriedigende Sammlung dieser Art für das spätantike und früharabische Ägypten (5.-8. Jh.).

Das Projekt beabsichtigt, durch eine systematische, direkte und kritische Auswertung der publizierten Papyrusdokumente aus dieser Zeit großer politischen, sozialen und wirtschatlichen Änderungen, die Daten über Preise und Löhne zu sammeln und in Tabellen zu präsentieren, aber auch ihre Besonderheiten, Entwicklungen und Verhältnisse zu besprechen. Die Verfügbarkeit von zusammenhängenden, über einen langen Zeitraum nachvollziehbaren und vergleichbaren Daten, erlaubt, neben den schon angesprochenen Fragen, eine Reihe weiterer Punkte zu untersuchen: Etwa das Vorhandensein einer Inflation, insbesondere für die Übergangszeit von der byzantinischen zur arabischen Herrschaft; das Ausmaß und die Art einer Übernahme der Rolle eines Zahlungsmittels durch weniger verderbliche Nahrungsmittel wie Weizen, Gerste, Wein, Öl; oder die Bildung von besonderen lokalen und begrenzten Wirtschaftssystemen mit eigenen Preisrelationen.

Die Masse an schwer aufzufindenden — und tatsächlich bislang wenig ausgewerteten — Informationen, die durch das Projekt zugänglich gemacht werden sollen, soll eine solidere Basis für historische Studien über Wirtschaft, Lebensstandard und -kosten in der Antike, in der arabischen un byzantinischen Welt, im Mittelalter, aber auch für breitere komparative Studien über verschiedene Epochen und Kulturen bis hin zur heutigen Zeit bilden.