Texte und Textilien im spätantiken Ägypten

(Projekt der ÖAW)

Projektnummer:

P28282-G25

Projektleiter:

Prof. Bernhard Palme (ÖAW)

ProjektmitarbeiterInnen:

Aikaterini KOROLI, MA
Mag. Ines BOGENSPERGER

Laufzeit:

September 2015 bis September 2018

Die Herstellung von Textilien war im Altertum ein höchst spezialisiertes Gewerbe. Aus dem spätantiken Ägypten sind dank der klimatischen Bedingungen zahlreiche Textilien erhalten geblieben, welche wichtige Aufschlüsse über die verwendeten Materialien und Farben sowie die Produktionsmethoden und den Handel geben. Aus demselben Zeitraum (c. 300–800 n. Chr.) und geographischen Kontext überliefern uns dokumentarische Papyri eine Fülle von Schriftstücken des Alltags, die mit differenzierter Terminologie über die Produktion von Gewändern und Gebrauchstextilien, ihre Machart und ihr Design sprechen. Durch diese einzigartige Überlieferung bietet Ägypten ideale Voraussetzungen für eine interdisziplinäre Untersuchung zu den spätantiken Textilien.

Ziel des Projektes ist eine Analyse der papyrologischen Evidenz zu den spätantiken Textilien und eine systematische Konfrontation dieser Nachrichten mit den Befunden der originalen Textilien. Damit soll ein Brückenschlag zwischen der text-orientierten Papyrologie und der material-orientierten Textilkunde erfolgen, welcher die unterschiedlichen Zugänge und Methoden bei der Erforschung dieses wichtigen Aspektes der materiellen Kultur verbindet.

Ausgehend von einer umfassenden Auswertung der papyrologischen Quellen mit Bezug auf Textilien und deren Produktion, soll zum einen die vielfältige Terminologie der griechischen Papyri untersucht werden. Bei seltenen und problematischen Begriffen werden auch die literarischen Belege (insbesondere vom Schrifttum aus der Spätantike) mit einbezogen. Vor dem Hintergrund der schriftlichen Nachrichten sollen zum anderen originale Textilen aus den umfangreichen Sammlungen in Wien, Berlin und Riggisberg in Hinblick auf ihre Materialien, Farben und Webtechnik sowie Verwendungszweck und Design untersucht werden. Die Studie geht von der Überlegung und Beobachtung aus, dass die große Variation an Materialien und Macharten, Farben und Verzierungen in den weit über 400 textil­bezogenen Fachtermini der griechischen Papyri ihren Ausdruck findet.

Die Ergebnisse des Projekts sollen das genaue Verständnis der schriftlichen und materiellen Quellen zu den Textilien ermöglichen und damit erstmals eine verlässliche Grundlage sowohl für weiter greifende Forschungen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Textil­produktion als auch für materialbezogene Studien aus dem spätantiken Ägypten legen.