Wahlgesetze von Baetica

Zentrale und Lokale Gesetzgebung

Projektnummer:

M2142

Projektleiter:

Federico Russo, PhD

Projektlaufzeit:

01.11.2016-31.10.2018

Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass die Statuten der Municipia und Kolonien des Römischen Reiches Elemente aus römischen Gesetzen aufnahmen. Diesbezüglich ist das legislative Vorbild für die einzelnen lokalen Gesetze nicht immer einfach auszumachen. Darüber hinaus ist es schwierig, Umfang und Wesen der Abhängigkeit der lokalen Gesetze vom römischen Modell genauer zu bestimmen. Aufbauend auf den Ergebnissen meiner früheren Studien über die gesetzlichen Bestimmungen gegen die Wahlkorruption in den Statuten einiger Gemeinden der iberischen Halbinsel, will das vorgeschlagene Projekt die konkreten Prozesse aufzeigen, als deren Resultat beim Erlass der lokalen Wahlgesetze bestimmte Elemente von in Rom bereits in Kraft befindlichen Gesetze Verwendung fanden. Forschungsgrundlage werden die Inschriften aus der römischen Provinz Baetica sein, die aufgrund ihrer Detailiertheit als verlässliche Belege meiner Untersuchungen dienen.

In einem ersten Schritt werden die in den relevanten Inschriften enthaltenen bereits erwähnten gesetzlichen Bestimmungen zur Abhaltung von Wahlen sowie zur Bekämpfung von Wahlkorruption gesammelt und systematisch herausgestellt. Auf der Grundlage dieser zusammenfassenden Darstellung werden in einem zweiten Schritt die lokalen Gesetze von Baetica sowohl mit den in Rom selbst gültigen Wahlgesetzen als auch mit den einschlägigen Gesetzen von römischen Städten in Italien verglichen werden. Die Wahlbestimmungen von Rom kennen wir aus literarischen Quellen, während die einschlägigen Gesetzgebungen der anderen Gemeinden Italiens aus epigraphischen Dokumenten erschlossen werden können.

Im Hinblick auf die heterogene Natur der Belege erweist sich für meine vergleichende Studie ein interdisziplinäres Vorgehen als unumgänglich: Sowohl die Inschriften (juridische und Ehreninschriften) als auch die literarischen Quellen (historiographische wie juridische Texte) werden gleichermaßen einer allgemeinhistorischen und einer rechtshistorischen Analyse unterzogen werden. Vom rechtshistorischen Standpunkt aus werden die Ergebnisse meiner Studie einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte über die Rechtsquellen von lokalen Gesetzen leisten. In allgemeinhistorischer Hinsicht wird gezeigt werden, wie die römische Zentrale den Zugang zu lokalen öffentlichen Ämtern und zu den Wahlurnen überhaupt regulierte.

Die Resultate der Studie, die in Form einer Monographie veröffentlicht werden sollen, können dann des Weiteren als Ausgangspunkt für ein von mir geplantes umfassendere Forschungsvorhaben dienen, in dessen Rahmen die Wahlgesetze der römischen Städte des Reiches insgesamt gesammelt und systematisch darstellt werden sollen