Das Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik ist aus dem "Archäologisch-Epigraphischen Seminar" hervorgegangen, das 1876 begründet wurde, nachdem bereits 1869 die Klassische Archäologie durch Alexander Conze in Wien vertreten war. Davor wurde die Alte Geschichte zunächst im "Philologisch-Historischen", und dann, nach Trennung dieser beiden Disziplinen 1872, im "Historischen Seminar" mitbetreut. 1984 wurde die Klassische Archäologie, die immer eigene Vertreter(innen) gehabt hatte, als eigenes Institut konstituiert.

Im Jahre 1876 wurde der Prager Professor Otto Hirschfeld (1843-1922) auf die neu geschaffene Professur für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik berufen, die sich vor allem der Erforschung der römischen Inschriften im Bereich der österreichisch-ungarischen Monarchie annehmen sollte. Als Hirschfeld 1885 als Nachfolger Theodor Mommsens nach Berlin ging, wurde dessen Mitarbeiter Eugen Bormann (1842-1917) nach Wien verpflichtet. Entsprechend der ursprünglichen Widmung dieses Lehrstuhls lag auch sein Interesse vor allem im römischen Bereich der Alten Geschichte, und zwar hier speziell bei den Inschriften. Für den griechischen Bereich wurde ihm Emil Szanto (1857-1904), zunächst als außerordentlicher Professor (1893), dann als Ordinarius für Klassische Altertumswissenschaften (1901) zur Seite gestellt. 1905 trat Adolf Wilhelm (1864-1950), der seine Ausbildung in Graz erhalten hatte, dessen Nachfolge an. Nach der Emeritierung Bormanns 1914 wurde dessen Professur geteilt: Wilhelm Kubitschek (1858-1936, seit 1905 außerordentlicher Professor) wurde 1916 zum Professor für Römische Altertumskunde und Epigraphik bestellt, gleichzeitig der Grazer Professor Adolf Bauer (1855-1919) für Alte Geschichte an das "Historische Seminar" nach Wien geholt. Doch Bauer starb unerwartet früh, worauf das von ihm vertretene Fachgebiet auf die Professoren Wilhelm und Kubitschek aufgeteilt wurde. 1929 wurde Rudolf Egger (1882-1969) auf Kubitscheks vakante Stelle berufen, 1936 für den Bereich der Griechischen Geschichte Josef Keil (1878-1963). Beide führten die altertumskundliche Tradition des Instituts mit dem Schwergewicht in der Erforschung der antiken Inschriften weiter. Nach der Pensionierung Eggers (1945 aus politischen Gründen) wurde 1948 dessen Schüler Artur Betz (1905-1985) auf die Lehrkanzel für Römische Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik berufen. Die Nachfolge Keils trat 1952 Fritz Schachermeyr (1895-1987) an, dessen weitgespannte Interessen weit über die alten Hauptarbeitsgebiete des Instituts hinausgingen. Von 1970 bis 1981 hatte diese Stelle Ernst Kirsten (1911-1987) inne, der dem Institut den Bereich der antiken Geographie und Topographie erschloß. Daneben war Roman Stiglitz (1922-1988), dessen Interessen vor allem auf dem Gebiet der Griechischen Epigraphik und Religionsgeschichte lagen, seit 1973 Extraordinarius. Gerhard Dobesch folgte 1976 Artur Betz auf den Lehrstuhl nach; seine Interessensgebiete umfaßten u.a. die Cäsarforschung und die Keltologie. Die griechische Professur übernahm 1983 Peter Siewert, der über den athenischen Ostrakismos und das antike Olympia arbeitete. Schon im Jahr 1980 hatte Ekkehard Weber, dessen Forschungsschwerpunkt auf den römischen Inschriften Österreichs lag, eine außerordentliche Professur erhalten. Von 1994 bis 2001 bekleidete Luciana Aigner-Foresti eine neugeschaffene Professur für Etruskologie und Italische Altertumskunde, die das von Hon.-Prof. Ambros Pfiffig an der Universität Wien begründete Fach dauerhaft an unserem Institut etablierte.

Derzeit verfügt das Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde über vier Lehrstühle: Bernhard Palme für Papyrologie und Spätantike (seit 2004; Schwerpunkt: spätantikes Ägypten und Militärwesen), Fritz Mitthof für Römische Geschichte und Lateinische Epigraphik (seit 2008; Römische Kaiserzeit, Antikes Südosteuropa), Thomas Corsten für Griechische Geschichte und Epigraphik (seit 2010; Lykien) sowie Petra Amann für Etruskologie und Italische Altertumskunde (seit 2013; Sozialgeschichte und Kulturkontakte). Als außerordentliche Professoren bearbeiten Hans Taeuber (seit 2006) Inschriften aus Ephesos und Olympia, Herbert Heftner (seit 2008) die Geschichte des klassischen Athen und der römischen Republik.

Lit.: Ekkehard Weber, 100 Jahre Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik der Universität Wien, Römisches Österreich 4, 1976, 301-314; Hedwig Kenner - Gerhard Dobesch - Ernst Kirsten, Hundert Jahre Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik der Universität Wien 1876-1976, Wien 1977; Ekkehard Weber, Institut für Alte Geschichte und Klassische Archäologie. Ein Nachruf, Österreichische Hochschulzeitung 36, 1984, Nr. 11, 29f.; Wolfgang Hameter, Das Institut für Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Epigraphik. Die Monatsscherbe 6, 1988, 10-15; Martina Pesditschek, Die Professoren der Alten Geschichte an der Universität Wien, unpubl. Dipl. Wien 1996; Michael Sasse, Buchberggasse 41 - Ansätze zu einer Biographie Eugen Bormanns, unpubl. Diss. Wien 1996; 100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut 1898-1998, Wien 1998; Friedrich Brein (Hg.), Emanuel Löwy. Ein vergessener Pionier (Kataloge der Archäologischen Sammlung der Universität Wien, Sonderheft 1), Wien 1998; Verena Gassner, Zur Geschichte des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien, Forum Archaeologiae 17/XII/2000, http://farch.net; Verena Gassner, http://www.univie.ac.at/Klass-Archaeologie/01I/Gesch.html Geschichte des Instituts [für Klassische Archäologie]; Martina Pesditschek, Zur Geschichte des Instituts für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik der Universität Wien (anläßlich seines 125jährigen Bestehens), Die Sprache, Chronicalia Indoeuropaea 39,3, 1997 [2002], 1-24; Ingomar Weiler, Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Altertumskunde, in: Karl Acham (Hg.), Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften, Bd. 4: Geschichte und fremde Kulturen, Wien 2002, 83-126; Martina Pesditschek, Fritz Schachermeyr. Ein Leben zwischen Wissenschaft und Politik, unpubl. Diss. Wien 2005; Martina Pesditschek, Fritz Schachermeyr – Ein Leben zwischen Hethiterreich und Drittem Reich, Forum Archaeologiae 41/XII/2006, http://farch.net; Martina Pesditschek, Die Karriere des Althistorikers Fritz Schachermeyr im Dritten Reich und in der Zweiten Republik, Mensch – Wissenschaft – Magie. Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte 25, 2007[2008], 41-71; Martina Pesditschek, Barbar, Kreter, Arier. Leben und Werk des Althistorikers Fritz Schachermeyr, 2 Bde. (überarbeitete u. ergänzte Diss. Wien 2005), Saarbrücken 2009

© Martina Pesditschek aktualisiert von Hans Taeuber