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Fertiggestellt im Dezember 2013

 

Der sogenannte „Antiquus Austriacus“ und
weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften
im österreichischen Raum

 

Doris Marth

 

Betreuer: em. Univ.-Prof. Mag. Dr. Ekkehard Weber

 

Die Dissertation widmet sich der Aufarbeitung der sogenannten „auctores antiquissimi“, jener Gelehrten, die in ihren Handschriften bzw. frühen Drucken römerzeitliche Inschriften aus dem österreichischen Raum, vor allem aus der Provinz Noricum überliefern. Der Fokus der Untersuchung richtet sich auf die ältesten auctores - „antiquissimi“ im eigentlichen Sinn - und liegt schwerpunktmäßig etwa im letzten Drittel des 15. und ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Bei allen Fragestellungen sind zwei Aspekte wesentlich: Der wissenschaftsgeschichtliche Aspekt, d. h. die bio- und bibliographische Aufarbeitung der einzelnen auctores antiquissimi und der epigraphische Aspekt, d. h. die Beurteilung der Qualität der einzelnen Arbeiten im Hinblick auf die Überlieferung norischer Inschriften. Diese beiden Gesichtspunkte sind eng miteinander verknüpft, da für fundierte Aussagen über die Zuverlässigkeit einzelner Werke die Kenntnis relevanter biographischer Details oder der Arbeitsweise unabdingbar ist.

Eine wesentliche Rolle spielen auch thematische Vorbilder und Beziehungen zu Zeitgenossen. Deshalb werden als Hinführung zum chronologischen Schwerpunkt der Arbeit die Anfänge der Überlieferung römerzeitlicher, v. a. norischer Inschriften und die für die Rezeption dieser Inschriften unabdingbare Ausbreitung humanistischer Gesinnung nördlich der Alpen vom epigraphischen Standpunkt aus beleuchtet. Spezielles Augenmerk wird auf jene relevanten Codices gelegt, die seit dem Erscheinen des CIL-Noricum-Faszikels gefunden wurden und bei seiner Neuauflage zu berücksichtigen sind. Hier ist zunächst das Reisetagebuch von Paolo Santonino zu nennen, das frühe, unabhängige Inschriftentranskriptionen enthält.

Aus der Neubearbeitung eines der Forschung bereits bekannten Mannes, Augustinus Prygl Tyfernus, unter erstmaliger Einbeziehung verwandter Inschriftensammlungen und kodikologischer Anhaltspunkte ergeben sich (weitere) interessante Hinweise auf eine Verbindung zu Johannes Fuchsmagen. Dazu passen die Ergebnisse der Untersuchung von zwei bisher kaum beachteten Handschriften aus Prag bzw. Wien, die - wie gezeigt werden kann - in einem unmittelbaren Kontext zueinander stehen und ebenfalls überaus deutliche Fingerzeige auf Fuchsmagen enthalten. Die Prager Pergamenthandschrift kann dadurch sogar ziemlich genau datiert und mit Berechtigung als „Fuchsmagen-Sammlung“ bezeichnet werden. Sie wird in weiterer Folge mit den (miteinander verwandten) Abschriften von Konrad Peutinger, Johannes Choler und Petrus Apianus/Bartholomaeus Amantius  verglichen, v. a. um der Frage nachzugehen, ob eine Beziehung oder gar Quellfunktion festzustellen ist und ob sich daraus neue Hinweise auf die bisher noch nicht eindeutig geklärte Identität des sog. „Antiquus Austriacus“ ergeben. Als wesentliches Ergebnis ist festzuhalten, dass aufgrund zahlreicher (in)direkter Hinweise in den derzeit bekannten Quellen die Schlussfolgerung unumgänglich ist, dass sich hinter dieser Bezeichnung die netzwerkartige Sammeltätigkeit von Johannes Fuchsmagen verbirgt und am treffendsten von einem „Antiquus Austriacus-Kollektiv“ unter der Ägide von Johannes Fuchsmagen zu sprechen ist.

 

 

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