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Demosia erga: Öffentliche Bautätigkeit im römischen Ägypten (Arbeitstitel)

 

Karin Maurer

betreut von
Prof. Dr. Peter Eich (Seminar für Alte Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.) und
Prof. Dr. Fritz Mitthof (Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik, Universität Wien)

 

Bereits in der Antike haben es Entscheidungsträger verstanden, sich durch öffentliche Bauten ein Denkmal zu setzen. Man denke beispielsweise nur an den Ausbau der Athener Akropolis durch Perikles oder den Bau des Pantheon-Tempels durch Hadrian in Rom, dessen gewaltige Kuppel aus gegossenem opus caementitium über 1300 Jahre lang die größte ihrer Art war.[1]

Abseits der großen Zentren mit ihren Monumenten betätigten sich neben Kaisern und Statthaltern auch Bürgervertretungen in den Provinzen im Auftrag der Öffentlichkeit als Bauherren. Im Rahmen meiner Dissertation untersuche ich, wie öffentliche Bautätigkeit, aber auch die Instandhaltung öffentlicher Gebäude, in der römischen Provinz Alexandriae et Aegypti (30 v. Chr.–ca. 300 n. Chr.) organisiert war. Primäre Grundlage hierfür bilden dokumentarische Papyri und (Bau-)Inschriften, welche von Bauaufträgen, Vergabe von Baulosen, Neubau- und Renovierungsvorhaben, Reparaturarbeiten berichten, oder eine Abrechnungstätigkeit nach Fertigstellung dokumentieren. Komplementiert wird diese Quellensammlung durch Texte aus byzantinischer Zeit, die öffentliche Gebäude oder Bautätigkeit nur sekundär erwähnen.[2]

Während für das klassische und hellenistische Griechenland bereits einige Studien zum Wesen und Organisation öffentlicher Bauten und Bautätigkeit vorliegen,[3] erfolgte eine solche Studie für die Gaumetropolen des römische Ägyptens bisher nicht.[4]

Anhand der Dokumentation zu Bautätigkeiten sollen mehrere Punkte und Fragestellungen untersucht werden, die sich teilweise ergänzen:

·      Ein Schwerpunkt wird auf den bürokratischen Strukturen hinter einem Bauprozess liegen. Welche Behörden waren für Neubauten und Renovierungsarbeiten zuständig und wie wurden die Aufträge vergeben? Wo gab es in der ganzen Provinz einheitliche Strukturen, wo gab es Abweichungen zwischen den (ehemaligen) Gaumetropolen?

·      Wie wurden öffentliche Bauten und ihre Instandhaltung finanziert? Wurden dafür Sondersteuern erhoben oder beteiligten sich einzelne Bürger finanziell daran? War ein gewisser Anteil des regulären jährlichen Steueraufkommens für Bautätigkeiten/Instandhaltungsarbeiten vorgesehen?

·      Die Verwaltung Ägyptens änderte sich grundlegend erst um 200 n. Chr., als Septimius Severus während seiner Ägypten-Reise die Gaumetropolen, welche bis dahin zwar als metropoleis bezeichnet wurden, rechtlich aber Dörfer waren, die Autonomie verlieh und sie somit den Status griechischer poleis bekamen. Für öffentliche Bauten und deren Errichtung bedeutete dies, dass nun die Stadt bzw. ihre behördlichen Vertreter als Bauherren auftraten. Die Dissertation wird diesbezüglich Aufschluss geben, wie sich das Verhältnis zwischen kaiserlicher und munizipaler Bautätigkeit in Ägypten vom 1. bis zum 3. Jahrhundert gestaltet hat.

·      Auf Grundlage dieser Erkenntnisse soll ein diachroner Vergleich mit einschlägigen Studien vollzogen werden (s. o.), welcher organisatorische Unterschiede wie Gemeinsamkeiten aufzeigen soll.

·      Daneben lassen sich durch eine Untersuchung der öffentlichen Bautätigkeit aber auch einzelne Schlaglichter auf die Geschichte der Provinz Ägypten während der ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten werfen, was im Speziellen für die Soldatenkaiserzeit Aufschlüsse geben könnte: Gab es nach lokalen, regionalen oder überregionalen Unruhen vermehrte Bau- und Renovierungstätigkeiten in den (ehemaligen) Gaumetropolen?

  

[1] Mit rund 43,45 m Durchmesser wurde sie erst durch die Kuppel des Florenzer Domes abgelöst (erbaut zwischen 1420 bis 1436 durch Filippo Brunelleschi, Durchmesser 45,52 m). In Florenz findet man ferner ebenfalls den größten kuppelartigen Bau des Mittelalters: Das neben dem Dom befindliche Baptisterium San Giovanni (erbaut ab 1225) ist mit einer achteckige Kuppel von 26 m Durchmesser bedeckt.

[2] Einen wertvollen Beitrag diesbezüglich liefern die Wegbeschreibungen, welche sich häufig in privater Korrespondenz findet (so zB P.Oxy. XXXIV 2719, 3./4. Jh., Alexandria/Oxyrhynchos, Direction for Delivering Letters). Pachtverträge hingegen geben Aufschluss über die Ausstattung einzelner Gebäude wie Bäder (so zB P.Giss. I 50: 26.4.–25.5. 259, Oxyrhynchos, Pachtangebot auf zwei Garderobierstellen in den städtischen Thermen von Oxyrhynchos und SB VIII 9921, 3. Jh., Oxyrhynchos, Pachtvertrag über ein öffentliches Bad).

[3] So zum Beispiel für Epidauros: S. Prignitz, Bauurkunden und Bauprogramm von Epidauros (400–350). Asklepiostempel, Tholos, Kultbild, Brunnenhaus, München 2014 oder die hellenistischen poleis: L. Meier, Die Finanzierung öffentlicher Bauten in der hellenistischen Polis, Mainz 2012.

[4] Eine Fallstudie zur öffentlichen Infrastruktur mit einem Schwerpunkt auf die Wasserversorgung liegt von W. Habermann, Zur Wasserversorgung einer Metropole im kaiserzeitlichen Ägypten. Neuedition von P.Lond. III 1177. Text – Übersetzung – Kommentar, München 2000 vor.

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