Antike Textilien – Moderne Hände

Projektnumme: TCS 44 Top Citizen Science

ProjektleiterIn: Bernhard PALME

Laufzeit: 01.09.2017 - 31.08.2019

Das im Rahmen der Top Citizen Science (TCS)-Initiative lanzierte Projekt Antike Textilien —
Moderne Hände setzt sich zum Ziel, Erkenntnisse der historischen Textilforschung der
interessierten Öffentlichkeit nahezubringen und umgekehrt die äußerst wertvolle praktische
Expertise von professionellen und privaten Webern sowie Textilkünstlern für die Erforschung
antiker Textilien fruchtbar zu machen. Dieses Vorhaben stellt eine Erweiterung
des vom FWF geförderten Forschungsprojektes Texts and Textiles in Late Antique Egypt (P
28282) dar, welches die Produktionsmethoden und die differenzierte Terminologie der
Textilien im spätantiken Ägypten studiert.
Die Herstellung von Textilien war im Altertum ein höchst spezialisiertes Gewerbe. Aus
Ägypten sind dank der klimatischen Bedingungen zahlreiche Textilien erhalten geblieben,
welche wichtige Aufschlüsse über die verwendeten Materialien, Farben sowie die Herstellung
und den Handel geben. Aus demselben Zeitraum (c. 300–800 n. Chr.) und geographischen
Kontext überliefern Papyri eine Fülle von Schriftstücken des Alltags, die über
Gewänder und Gebrauchstextilien, ihre Machart und ihr Design sprechen. Ziel des Basisprojektes,
an dem das TCS-Projekt Antike Textilien — Moderne Hände anknüpft, ist eine
systematische Konfrontation der papyrologischen Nachrichten mit den Befunden der
originalen Textilien. Damit soll ein Brückenschlag zwischen der Papyrologie und der
Textilkunde erfolgen, welcher die unterschiedlichen Zugänge und Methoden bei der
Erforschung dieses wichtigen Aspektes der materiellen Kultur verbindet.
Das Projekt Antike Textilien — Moderne Hände geht einen wesentlichen Schritt darüber
hinaus, indem es den text- und textilkundlichen Forschungen einen neuen Ansatz hinzufügt:
das wertvolle praktische Wissen von Textilkünstler und Weber einzubinden. Über eine verbesserte
interaktive Website sowie einer Diskussions-Gruppe auf Facebook sollen einerseits
die antiken Textilien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Modell
bildet das Pilotprojekt Spiral Textile (https://www.spiraltextile.com), das Textilkünstler und
Weber einlädt, eine antike Papyruszeichnung auf das Medium Textil zu übertragen. Andererseits
soll die keineswegs kleine Gruppe von Personen weltweit, welche beruflich oder als
Hobby die Herstellung von Textilen betreibt, gewonnen werden, sich gezielt mit antiken
Produktionsmethoden auseinanderzusetzen und ihre Erkenntnisse der Forschung zur
Verfügung stellen. So können diese oftmals hoch spezialisierten und versierten Praktiker auf
empirische Weise zum besseren Verständnis antiker Produktionsmethoden oder zur Lösung
ungeklärter Fragen beitragen.
Das Pilotprojekt Spiral Textile hat bereits gezeigt, dass eine große Zahl interessierter
Menschen weltweit zu erreichen und sowohl für die experimentellen Aktivitäten als auch
die wissenschaftlichen Erkenntnisse der historischen Textilforschung zu begeistern ist. Das
Erweiterungsprojekt Antike Textilien — Moderne Hände baut auf diesem Erfolg auf.