Dokumentarische faijumische Papyri aus Wien - Neuedition von Texten aus CPR II und IV

Finanzierung: Austrian Science Fund FWF

Projektnummer: P 27781-G21

Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Fritz Mitthof (Universität Wien, Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik)

Projektmitarbeiter_in:

Dr. Elena Chepel (09/2018-10/2019)
Dr. Esther Garel (09/2015-08/2017) 
Dr. Kerstin Sänger-Böhm (09/2017-06/2018)

Projektpartner: Dr. Hans Förster (Universität Wien)

Projektlaufzeit: 1. 9. 2015 - 31. 8. 2020

Hauptgegenstand des Projekts ist die Edition bzw. Neuedition von dokumentarischen Papyri, die auf Faijumisch abgefasst sind, einem in den Papyri nur sehr spärlich bezeugten koptischen Dialekt. Benannt ist der Dialekt nach seinem Verbreitungsgebiet, dem Faijum, einer Oase rund 100 Kilometer südwestlich des heutigen Kairo. Die Texte fallen in den Zeitraum von ca. 400 bis 800 n. Chr.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen koptischen Dialekten sind so groß, dass Forscherinnen und Forscher sich meist für eine intensivere Beschäftigung nur auf einen oder zwei Dialekte spezialisieren. Da das Faijumische zu den kleineren Dialekten gehört, sind Texte in diesem Dialekt – verglichen mit den größeren Dialekten – vergleichsweise schlecht erschlossen.  Die Hauptmasse der erhaltenen koptischen Papyri ist auf Sahidisch verfasst, einem der beiden Hauptdialekte des Koptischen.

Die Wiener Sammlung besitzt insgesamt etwa 20.000 koptische Papyri, die meisten davon in Sahidisch. Daneben besitzt Wien aber auch die – im weltweiten Vergleich betrachtet– größte Gruppe an Papyri im faijumischen Dialekt.

Das im Projekt zu bearbeitende Material besteht aus knapp 100 meist nur fragmentarisch erhaltenen Texten, zumeist Rechtsurkunden. Ein Großteil dieser Texte wurden als Abschriften in einer Edition aus dem Jahr 1895 (CPR II) publiziert und teilweise in einem weiteren Band aus dem Jahr 1958 (CPR IV) nochmals abgedruckt. Bei diesen beiden Werken handelt es sich aber nicht um Editionen nach modernen Standards. Um diese Texte für die Wissenschaft erstmals wirklich fruchtbar zu machen, wird eine neue Edition erstellt, die neben einer Übersetzung und einem ausführlichem Kommentar auch eine systematische Behandlung der linguistischen und historischen Aspekte bietet.

Daneben beteiligt sich das Projekt an der in Wien seit einigen Jahren betriebenen Neuedition der von dem Wiener Papyrologen Carl Wessely vor etwas mehr als 100 Jahren herausgegebenen sogenannten „Papyrusurkunden kleineren Formats“ (SPP III + VIII). Es sind dies ca. 1.300 kleinformatige Dokumente über Rechtsgeschäfte und fiskalische Transaktionen in griechischer Sprache, die ebenfalls aus dem Faijum stammen und ins 5.-8. Jh. n. Chr. fallen, also in denselben räumlichen und zeitlichen Kontext gehören wie die im Projekt behandelten faijumischen Papyri. Faijumische und griechische Papyri sind Zeugnisse einer hochgradig bilingualen Welt und erhellen sich somit wechselseitig.