City Titles as Cultural Strategy: A Discursive Approach to Civic Identity and Interurban Dynamics in (Late) Roman Egypt and Asia Minor

Projektleitung: Lucas WEISSER-GERICKE

(SNSF)

Laufzeit: 01.04.2026–31.03.2028

 

 

Im 3. Jhd. n. Chr. eigneten sich mehrere Städte im römischen Ägypten offizielle griechischsprachige Titulaturen an (z.B. „alt und äusserst ehrwürdig“). Bezeugt sind diese v.a. in auf Papyrus geschriebenen dokumentarischen Texten wie Verwaltungsakten oder Verträgen. Ziel des Projekts ist es, diese Titulaturen, die bislang häufig nur als Datierungskriterium dienten, als eigenständiges historisches Phänomen zu würdigen. Zunächst soll durch systematische Sammlung und kritische Durchsicht sämtlicher Quellenbelege die Grundlage für eine chronologische Rekonstruktion der sich wandelnden Titulaturen der Städte Ägyptens vom 3. bis 5. Jhd. geschaffen werden. Die Titulaturen sollen dann einerseits als Medium der Konkurrenz zwischen Städten, andererseits als Verdichtung (elitärer) städtischer Identitäten und als Reflex von lokalen Diskursen des Städtelobs gedeutet werden. Schliesslich soll ein Vergleich des Phänomens städtischer Titulaturen in Ägypten mit dem in dieser Hinsicht intensiver erforschten Kleinasien erfolgen, wo Stadttitel in Inschriften und auf Münzen belegt sind.

Das Projekt ist im Grenzbereich von Alter Geschichte, Papyrologie und Epigraphik angesiedelt. Der Fokus auf städtische Titulaturen erlaubt es, aktuelle Fragestellungen der Alten Geschichte (z.B. nach städtischer Konkurrenz oder lokalen Identitäten) auf das zumeist für verwaltungs- oder wirtschafts- und sozialgeschichtliche Spezialuntersuchungen ausgewertete papyrologische Material anzuwenden und so zur Integration der Evidenz Ägyptens, das im Kontext des römischen Reiches noch oft als ‚Sonderfall‘ abgetan wird, in den althistorischen Mainstream beizutragen.