Griechische Epigraphik


Das griechische Alphabet wurde aus dem phönikischen unter Umwandlung von nicht gebrauchten Konsonanten in Vokale geschaffen. Seit dem frühen 8. Jh. v. Chr. finden sich griechische Inschriften, zunächst auf Keramik, dann auch auf Stein und Metall. Seit dem 6. Jh. werden staatliche Dokumente (Gesetze, Volksbeschlüsse, Verträge, aber auch Rechenschaftsberichte und Ähnliches) inschriftlich aufgezeichnet. Diese Urkunden gewähren einen einzigartigen Einblick in die politischen Mechanismen, in die gerade vorherrschenden Strömungen und ihre Vertreter sowie in die diplomatischen Beziehungen. Mit der Kultur des Hellenismus verbreiten sich griechische Inschriften in die gesamte antike Welt. Ab der Eingliederung des östlichen Mittelmeerraums in das Römische Reich enthalten sie auch wertvolle Zeugnisse der römischen Verwaltung.

Inschriften gehören zu den wichtigsten "nachwachsenden" Quellen über die Antike. Jedes Jahr werden weit über tausend neue Inschriften publiziert und erweitern unsere Kenntnisse vor allem über Regionen und Lebensbereiche, die nicht im Fokus der antiken Schriftsteller standen. Anders als diese, die meist aus gehobenen Schichten stammten und vor allem an den politisch-militärischen Entwicklungen interessiert waren, liefern die Inschriften nämlich auch unschätzbare Informationen über die sozialen, kulturellen und religiösen Verhältnisse. Allerdings setzen der oft fragmentarische Erhaltungszustand und der breit gefächerte Inhalt ein hohes Maß an Hintergrundwissen und Erfahrung voraus, um die oft nur unvollständig erhaltenen Funde richtig ergänzen und interpretieren zu können.

Unser Institut weist eine lange Tradition auf dem Gebiet der Griechischen Epigraphik auf, verkörpert durch Forscherpersönlichkeiten wie Adolf Wilhelm und Josef Keil. Derzeit laufen Editionsprojekte zu folgenden Städten und Landschaften, zum Teil in Kooperation mit der Österr. Akademie der Wissenschaften (Österr. Archäologisches Institut; Arbeitsgruppe Epigraphik der Abt. Documenta antiqua im Inst. f. Kulturgeschichte der Antike): Ephesos (Thomas Corsten, Hans Taeuber, Vera Hofmann); Lykien und Pisidien (Thomas Corsten), Olympia (Peter Siewert, Hans Taeuber). Daneben ist das Institut an der Herausgabe des in internationaler Zusammenarbeit jährlich erstellten Supplementum Epigraphicum Graecum (SEG) beteiligt (Thomas Corsten, Veronika Scheibelreiter-Gail; verantwortlich für Kleinasien).

Wichtigste Publikationen:

Corsten, Th. (Hrsg.) mit Catling, R. (ass. ed.) und Ricl, A. (associate ed.), A Lexicon of Greek Personal Names V.A. Oxford 2010, 496 S.

Corsten, Th. (associate ed.) mit Balzat, J.-S., Catling, R., Chiricat, É., Marchand, F. (Hrsg.), A Lexicon of Greek Personal Names V.B. Oxford 2013, 471 S.

Corsten, Th. mit Balzat, J.-S., Catling, R., Chiricat, É. (Hrsgg.), A Lexicon of Greek Personal Names V.C. Oxford 2018, 477 S.

Siewert, P. - Taeuber, H., Neue Inschriften von Olympia. Die ab 1896 veröffentlichten Texte. Tyche Sonderband 7, Wien 2013, 442 S.

Taeuber, H., Graffiti aus dem Hanghaus 2 von Ephesos. Forschungen in Ephesos VIII, Wien 2005-2014.