Gerhard Dobesch (1939-2021)

10.01.2022

Das Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik trauert um emer. o. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Dobesch, der am 18. Dez. 2021 im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Ein Nachruf von ao.Univ.-Prof. Dr. Herbert Heftner und PD Dr. Andreas Hofeneder:

Mit dem am 18. Dezember 2021 verstorbenen Gerhard Dobesch verlieren wir einen profilierten Forscher von internationalem Ansehen, der während der gesamten Dauer seiner wissenschaftlichen Laufbahn unserem Institut auf das Engste verbunden gewesen ist.

Am 15. September 1939 in Wien geboren und aufgewachsen, hat er an unserer Universität Alte Geschichte, Klassische Philologie und Klassische Archäologie studiert. Nach dem Abschluss seiner Studien (Promotion zum Dr. phil. 1962) entschied er sich für die wissenschaftliche Laufbahn im Bereich des historischen Zweiges der Altertumswissenschaft und nahm eine Stelle als Assistent am Wiener Institut (damals noch Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik) an, von dem er zutiefst geprägt worden ist. Die innere Verbindung mit unserem Institut blieb auch bestehen, als er 1973 eine ordentliche Professur an der Universität Graz antrat, die er dann drei Jahre lang innehatte – obwohl er seine dortige Tätigkeit als beglückend und bereichernd in Erinnerung behielt, bedeutete die 1976 erfolgte Berufung auf den Wiener Lehrstuhl für Römische Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik gleichsam eine Rückkehr an jenen Ort, den er menschlich und wissenschaftlich gesehen stets als seine eigentliche Heimat empfunden hat.

Als Lehrstuhlinhaber hat er dann über zweiunddreißig Jahre hinweg bei uns eine über alle Maßen fruchtbare Forschungsaktivität entfaltet, und mit gleichem Elan eine von dem ihm eigenen Enthusiasmus geprägte Lehrtätigkeit betrieben, die sich immer sehr großen Zulaufs erfreute, ehemaligen Studierenden noch nach langen Jahren in lebendigster Erinnerung ist und für die in seinem Kreis tätigen Dissertanten und Nachwuchswissenschaftler stets ein Quell der intellektuellen Bereicherung, ein Labor der gründlichen methodischen Schulung, vor allem aber ein Vorbild für die Unbedingtheit des wissenschaftlichen Ethos gewesen ist.

Seine Forschungsschwerpunkte waren zu vielfältig und umfangreich, um hier angemessen gewürdigt zu werden. Es sei nur erwähnt, dass er das Profil des Instituts im Bereich der kritischen Erforschung der literarischen Quellen in markanter Weise geprägt hat und dass er mit der Geschichte des antiken Keltentums ein Forschungsfeld eingebracht hat, das an unserem Institut bis dahin nicht behandelt worden war – das aber, nicht zuletzt dank seines Engagements, große Popularität bei der Studentenschaft genossen hat.

Von der hohen Anerkennung, die er mit seinem Wirken gefunden hat, zeugt nicht zuletzt auch der Umstand, dass sich anlässlich seines fünfundsechzigsten Geburtstages im Jahre 2004 mehr als Hundert Gelehrte aus verschiedenen Nationen und Fachrichtungen zusammengefunden haben, um ihn mit einer Festschrift zu ehren, deren inhaltliche Vielfalt die Breite seiner eigenen wissenschaftlichen Interessen spiegelt.

Begeisterung für die Sache, d. h. die Antike in ihren vielfältigen Aspekten, hat alle ausgezeichnet, die an unserem Institut gelehrt und geforscht haben, aber kaum einer hat es so wie Gerhard Dobesch verstanden, diesen Begeisterungsfunken auf Studierende und jüngere Kollegen gleichsam überspringen zu lassen.

Das Institut wird ihn als einen begnadeten akademischen Lehrer, einen national und international gleichermaßen hoch angesehenen Forscher und als Verkörperung eines heute selten gewordenen, wahrhaft humanistischen Bildungsideals in Erinnerung behalten.