Das „Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik“ der Universität Wien erforscht die Geschichte des Mittelmeerraumes und seiner benachbarten Regionen während des griechisch-römischen Altertums, vom Einsetzen schriftlicher Überlieferung bis zum Übergang der Spätantike zum Frühmittelalter.Das breite Spektrum der Aktivitäten umfasst Fragestellungen der Politik-, Verwaltungs-, Sozial-, Wirtschafts-, Militär-, Religions-, Rechts- und Kulturgeschichte. Regional-zeitliche Schwerpunkte sind: Altes Italien (bes. Etrusker und Umbrer); Kleinasien in Hellenismus und Kaiserzeit; Ägypten in Kaiserzeit und Spätantike; Donau-Karpatenraum in römischer Zeit und Spätantike; Römisches Österreich. Weitere Themenfelder sind die Geschichte der athenischen Demokratie und Spartas, Föderalismus in der griechischen Welt, die politische Geschichte der Römischen Republik, die Religion der Kelten, Migration und Identität im Römischen Reich sowie Rezeption der Antike und Wissenschaftsgeschichte.


Das besondere Augenmerk gilt der Edition, Kommentierung und Auswertung antiker Schriftquellen, vorrangig solcher, die direkt überliefert sind, wie Inschriften und Papyri, doch spielt auch die historische Auswertung der literarischen Überlieferung eine wichtige Rolle. Schnittstellen zur Archäologie bestehen derzeit für Ephesos und Kibyra (Kleinasien), die Austria Romana, Etrurien sowie Sarmizegetusa Regia, Hauptstadt des Dakerreiches. Dank der Vielfalt der am Institut vertretenen Ansätze gelangt das gesamte Spektrum geschichtswissenschaftlicher, philologischer und archäologischer Methoden zur Anwendung.


Herausragenden Stellenwert hat die epigraphische und papyrologische Grundlagenforschung. Die Editions- und Corpusarbeit des Instituts umfasst folgende Unternehmungen: 1.) Griechische Inschriften: Bearbeitung von Neufunden und Erstellung von Corpora für das griechische Mutterland (Olympia) und für Kleinasien mit den Schwerpunkten Ephesos und Kibyra; Mitherausgabe des maßgeblichen Berichtorgans „Supplementum Epigraphicum Graecum“ (SEG); 2.) Lateinische Inschriften: Bearbeitung der Inschriften Österreichs sowie des historisch besonders bedeutsamen Materials aus der Stadt Rom im Rahmen des „Corpus Inscriptionum Latinarum“ (CIL), außerdem Edition der Neufunde aus Carnuntum, dem wichtigsten Fundplatz in Österreich; 3.) Papyri: Edition von Objekten der Papyrus-Sammlung der ÖNB im Rahmen des „Corpus Papyrorum Raineri“ (CPR) sowie der Bestände zahlreicher ausländischer Sammlungen in Form von Streupublikationen oder Corpora. CIL, CPR und SEG sind internationale Prestigeunternehmen.


Das Institut ist in vielfältiger Weise in die Wiener Forschungslandschaft eingebunden. Innerhalb der Universität werden regelmäßig gemeinsame Aktivitäten (Gastvorträge, Ringvorlesungen, Publikationen, Tagungen, Projekte) mit etwa einem Dutzend Nachbarinstituten organisiert.


Das Institut kooperiert überdies auf das Engste mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen (KHM, ÖAI, ÖAW, ÖNB, ÖStA). In diesem Bereich bestehen teilweise auch personelle Verschränkungen.


Großes Entwicklungspotential sieht die Institutsleitung im Bereich der Forschungs- und Lehrkooperation mit außer-altertumswissenschaftlichen Fächern. Auf diese Weise soll die Alte Geschichte in neue fachliche Kontexte gestellt und zugleich in aktuelle gesellschaftliche Diskurse eingebracht werden.


Die besondere Stärke des Instituts im internationalen Vergleich und seine Attraktivität als Forschungs- und Ausbildungsstätte beruhen in erster Linie auf der Überwindung der konventionellen Grenzen zwischen den althistorischen Spezialdisziplinen, wodurch ein umfassender Zugang zur griechisch-römischen Welt ermöglicht wird, der auf der synoptischen Schau des gesamten schriftlichen, epigraphisch-papyrologisch-literarischen Quellenspektrums basiert, bei gleichzeitiger Einbettung in einen breit gefassten altertumswissenschaftlichen, archäologischen, philologischen, numismatischen und historisch-kulturgeschichtlichen Rahmen, der ein herausragendes Merkmal des Wissenschaftsstandortes Wien ist. Als weiteres internationales Alleinstellungsmerkmal ist die Professur für Etruskologie und Italische Altertumskunde zu nennen.