Epigraphik

Die Kulturen des antiken Mittelmeerraumes haben Ihre Räume und ihre Welt durch die Verwendung von Schrift – in öffentlichen, administrativen, und auch privaten Kontexten – definiert, strukturiert und geordnet. Die Erforschung der monumentalen und privaten Schriftwelten der Antike und der ihnen beigeordneten Formen materieller Kultur, insbesondere durch die Untersuchung der dauerhaften Schriftträger und ihrer Formensprache, stellt einen wesentlichen Bestandteil unserer Arbeit am Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik dar. Im Bereich der Epigraphik, der Inschriftenkunde, befassen wir uns dabei zum einen mit der noch immer höchst aktuellen und notwendigen Grundlagenforschung, zum anderen aber auch mit der Erforschung geographischer und zeitlicher Zusammenhänge, politisch-administrativer Strukturen, diplomatischer Beziehungen, der Kultur- und Mentalitätsgeschichte sowie schließlich auch der epigraphischen Wissenschaftsgeschichte.

Traditionell stellt die Edition und Kommentierung antiker Inschriften einen Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten unseres Instituts dar. Der ständig anwachsende Schatz epigraphischer Quellen aus allen Regionen des antiken Mittelmeerraums bedarf der sorgfältigen Dokumentation. Besondere Schwerpunkte stellen die Inschriften Kleinasiens (insbesondere aus Ephesos sowie aus Lykien und Pisidien) sowie die Inschriften aus dem römischen Österreich und überhaupt dem gesamten Donauraum und aus Südosteuropa dar. Mitglieder unseres Instituts leisten einen wichtigen Beitrag zur Publikation international herausragender Standardwerke, darunter vor allem das Supplementum Epigraphicum Graecum, die Tituli Asiae Minoris und das Corpus Inscriptionum Latinarum. Zusätzlich zu den traditionellen Inschriftencorpora tragen wir im Bereich der Digital Humanities auch aktiv zur Entwicklung und Pflege digitaler Corpora bei.

Auch in der Lehre hat die Epigraphik einen wichtigen Stellenwert, gehört die Universität Wien doch zu den wenigen Universitäten, an denen regelmäßig im Curriculum verankerte epigraphische Lehrveranstaltungen von Einführungsvorlesungen bis hin zu Editionsübungen angeboten werden.

Die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern, insbesondere der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Österreichischen Archäologischen Institut, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem epigraphy.info-Projekt und der Epigraphischen Datenbank Rom ist für uns von herausragender Bedeutung und verankert unsere Arbeit im internationalen Kontext.

Weihaltar im Diana- und Apolloheiligtum von Montana (Moesia inferior, Bulgarien). © C. Cenati, April 2019

Tor zur Tetragonos Agora in Ephesos

© İ. Kuncewicz