Kulturgeschichte und Altertumskunde

Die Erforschung des geistig-kulturellen Lebens der Gesellschaften des antiken Mittelmeerraumes sowie der territorial und chronologisch angrenzenden Räume in Europa, Vorderasien und Nordafrika bildet einen zentralen Bestandteil unserer Forschung. Hierbei räumen wir den das breitere Geschichtsverständnis prägenden Kulturen – den Griechen, Römern und Etruskern – ebenso Platz ein wie denjenigen Völkern und Gesellschaften, die mit diesen Kulturen – freiwillig oder unfreiwillig – von außen her in Kontakt getreten sind. Wir bemühen uns in diesem Zusammenhang dezidiert um eine komplexe, nicht ausschließlich auf die Führungschichten und Eliten gerichtete Erfassung der Strukturen, Mechanismen und Realitäten antiker Gesellschaften und ihrer kulturellen Produktions- und Ausdrucksformen.

Ein besonderer Schwerpunkt der altertumskundlich-kulturhistorischen Forschung unseres Instituts liegt im Bereich der Dichtungs- und Gesangskultur des römischen Reiches. Hierbei steht insbesondere die inschriftliche Dichtung aus römischer Zeit, das Corpus der sogenannten Carmina Epigraphica, im Mittelpunkt unserer Aktivitäten.

Mehrere Tausend Versinschriften, in lateinischer wie auch in griechischer Sprache (und mitunter mehrsprachig) verfasst, dokumentieren nicht nur eintausend Jahre Kulturschaffens im römischen Reich in allen seinen geographischen Teilen: Sie geben zugleich auch einen faszinierenden Einblick in die Wert- und Jenseitsvorstellungen, in die Emotionen, Sorgen und Nöte sowie die Ortsgebundenheit und Mobilität breiter ethnischer und sozialer Gruppen in urbanen und ländlichen Kontexten, in Zentren und in der Provinz, von Sklav*innen bis hin zu den lokalen und imperiumsweiten Eliten, fernab (wenn auch nicht unabhängig von) der kanonisierten aristokratischen literarischen Tradition.

 TALK: Democratising Roman Poetry

Grabinschrift der Erasina, bei Maria Saal (Kärnten): Erasina wird als ‘punische Jungfrau’ und als ‘Freude der Grazien’ gefeiert. © P. Kruschwitz, Februar 2020